User-generated Content:
Herausforderungen meistern
05. Dez. 2024 | 4 Minuten Lesezeit
Herausforderungen meistern
05. Dez. 2024 | 4 Minuten Lesezeit

Julia Kammermeier
Customer Success
User-generated Content (UGC) kann Unternehmen dabei helfen, Wissen aus den Fachbereichen zu sichern, Lerninhalte schneller bereitzustellen und L&D zu entlasten. Ob der Ansatz in der Praxis funktioniert, hängt jedoch nicht allein vom richtigen Tool ab. Mitarbeitende benötigen Zeit, Orientierung und Unterstützung bei der Erstellung. Gleichzeitig müssen Unternehmen Akzeptanz schaffen, die Qualität der Inhalte sichern und klare Verantwortlichkeiten definieren. Fehlen diese Voraussetzungen, bleibt User-generated Content häufig bei einzelnen Beiträgen engagierter Mitarbeitender stehen.
Welche Hürden bei der Einführung besonders häufig auftreten, haben wir in einer qualitativen Befragung von L&D-Verantwortlichen untersucht. In diesem Artikel zeigen wir die fünf zentralen Herausforderungen und erläutern, wie Unternehmen ihnen begegnen können.
Sie möchten zunächst mehr über die Grundlagen und Vorteile von User-generated Content erfahren? In unserem Beitrag „Lerninhalte in-house produzieren“ finden Sie einen kompakten Überblick.
Die Erstellung von User-generated Content kostet Zeit – für die Konzeption, Umsetzung, Abstimmung und Qualitätssicherung. Genau diese Zeit fehlt in vielen Fachbereichen, weil das Tagesgeschäft Vorrang hat und zusätzliche Aufgaben schnell nach hinten rutschen.
Damit UGC nicht vom Engagement Einzelner abhängt, sollten Unternehmen feste Zeiträume für die Content-Erstellung einplanen. Denkbar sind beispielsweise Lern- und Innovationsfenster, in denen Mitarbeitende gezielt an Lerninhalten arbeiten können. Entscheidend ist, dass diese Zeit nicht nur pro forma im Kalender steht, sondern von den Führungskräften auch tatsächlich proaktiv ermöglicht wird.

Das Buy-in der Führungsebene spielt deshalb eine zentrale Rolle. Führungskräfte schaffen die nötigen Freiräume, setzen Prioritäten und signalisieren, dass Wissensaustausch kein Zusatzprojekt ist, sondern Teil der Arbeit. Der anfängliche Aufwand zahlt sich langfristig aus: Die erstellten Inhalte lassen sich für Schulungen, Onboarding oder wiederkehrende Fragen nutzen und bilden Schritt für Schritt eine verlässliche interne Wissensbasis. Diese kann später auch als Grundlage für KI-Lernassistenten dienen, die Mitarbeitende direkt im Arbeitsalltag unterstützen.
Nicht alle Mitarbeitenden sehen sofort einen Nutzen darin, zusätzlich zum Tagesgeschäft Lerninhalte zu erstellen. Häufig fehlen das Verständnis für den Mehrwert, die Sicherheit im Umgang mit Autorentools oder das Vertrauen in die Qualität der eigenen Beiträge.
Damit UGC akzeptiert wird, sollten Unternehmen die Fachbereiche früh einbeziehen und deutlich machen, welchen konkreten Nutzen die Inhalte für Teams und die Organisation haben. Niedrigschwellige Informationsformate wie Lunch & Learns, kurze Demo-Sessions, offene Sprechstunden oder Best-Practice-Runden können erste Berührungsängste abbauen. Workshops und ein strukturiertes Onboarding für neue Autorinnen und Autoren erleichtern anschließend den Einstieg in die praktische Umsetzung.

Entscheidend ist außerdem, dass die Fachbereiche nicht allein gelassen werden. L&D sollte weniger als zentrale Produktionsstelle auftreten, sondern als Partner, der passende Methoden, Tools und Qualitätsstandards bereitstellt. So entsteht ein Rahmen, in dem Mitarbeitende ihr Wissen beitragen können, ohne sich mit der Aufgabe überfordert zu fühlen.
„L&D muss eine kundenorientiertere Rolle einnehmen. Nicht mehr den Weg vorgeben, sondern gemeinsam mit den einzelnen Abteilungen, die richtigen Tools und Methoden finden.“
Fachexpertinnen und Fachexperten verfügen über wertvolles Wissen, haben aber häufig wenig Erfahrung darin, daraus didaktisch wertvolle Lerninhalte zu machen. Unsicherheit entsteht vor allem bei der Frage, wie sie die Inhalte sinnvoll strukturieren, verständlich erklären und auf die Vorkenntnisse der Zielgruppe abstimmen.
Hilfreich sind deshalb klare Leitfäden, Best-Practice-Beispiele und kurze Schulungen zu grundlegenden didaktischen Prinzipien, wie z. B. die Bloomsche Taxonomie. Auch Mentoring-Modelle können den Einstieg erleichtern, indem erfahrene Autorinnen und Autoren neue Content-Erstellende begleiten.

Besonders wirksam ist Unterstützung, die direkt im Erstellungsprozess verfügbar ist. KI-Autorentools wie knowtion können Mitarbeitende Schritt für Schritt durch die Produktion führen und genau dann Hinweise geben, wenn sie gebraucht werden. So sinkt die Einstiegshürde, während gleichzeitig die Qualität der Lerninhalte steigt.
Eine Sorge, die uns in der qualitativen Befragung mehrfach begegnet ist, betrifft die Qualität selbst erstellter Lerninhalte. Viele Fachbereiche sorgen sich, dass diese nicht professionell genug wirken oder fachliche und didaktische Fehler enthalten könnten. Diese Bedenken sind nachvollziehbar, dürfen aber nicht dazu führen, dass nur zentral produzierte Hochglanzformate als wertvoll gelten.
Bei UGC steht nicht die aufwendigste Gestaltung im Vordergrund, sondern die Frage, ob ein Inhalt relevant, verständlich und fachlich korrekt ist. Für viele Anwendungsfälle reichen kompakte, praxisnahe Formate völlig aus – etwa Schritt-für-Schritt-Anleitungen, kurze Erklärungen oder Erfahrungswissen aus dem Arbeitsalltag.
Trotzdem braucht es verlässliche Qualitätsstandards. Klare Vorlagen, Checklisten sowie Peer-Reviews oder redaktionelle Freigaben durch L&D helfen dabei, Fehler zu vermeiden und ein einheitliches Qualitätsniveau zu sichern. Auch ein intuitiv bedienbares Autorentool kann dazu beitragen, Standards direkt im Erstellungsprozess zu verankern und Mitarbeitenden eine verlässliche Orientierung zu geben. So entsteht ein Prozess, der Eigenständigkeit ermöglicht, ohne die Verantwortung für gute Lerninhalte aus der Hand zu geben.
User-generated Content kann sich nur dann dauerhaft etablieren, wenn Lernen und Wissensaustausch im Unternehmen einen sichtbaren Stellenwert haben. Wie uns die befragten L&D-Verantwortlichen bestätigt haben, ist dabei weniger die Unternehmenskultur insgesamt entscheidend als der konkret gelebte Umgang mit Lernen und Wissen. Fehlt diese Grundlage, wird die Erstellung von Lerninhalten schnell als freiwillige Zusatzaufgabe wahrgenommen, die im Tagesgeschäft immer wieder zurücksteht.

Entscheidend ist deshalb eine Lernkultur, in der Mitarbeitende ermutigt werden, ihr Wissen zu teilen, voneinander zu lernen und auch unfertige Ideen weiterzuentwickeln. Führungskräfte prägen diese Kultur besonders stark: Sie schaffen Freiräume, würdigen Beiträge und zeigen durch ihr eigenes Verhalten, dass Lernen Teil der täglichen Arbeit ist.
Auch Anerkennung kann helfen, die Beteiligung zu erhöhen. Das muss nicht zwangsläufig über formale Belohnungssysteme geschehen. Oft reicht es schon, gute Beiträge sichtbar zu machen, Autorinnen und Autoren wertzuschätzen und den konkreten Nutzen ihrer Inhalte für andere Teams zu zeigen. So wird aus einer einzelnen Initiative Schritt für Schritt eine gelebte Praxis.
„Die Unternehmenskultur selbst hat eher eine untergeordnete Bedeutung. Die Facette Lernkultur als Bestandteil davon oder der Umgang bzw. gelebte Stellenwert von Wissen ist entscheidend für eine erfolgreiche Implementierung von User Generated Content.“
(Dave Meier, Center for Accelerated Learning)
User-generated Content wird künftig weit über die dezentrale Produktion einzelner Lerninhalte hinausgehen. Mit generativer KI sinkt die Einstiegshürde für Mitarbeitende, ihr Wissen strukturiert aufzubereiten und mit anderen zu teilen. Gleichzeitig gewinnen aktuelle, verlässliche Wissensbestände an Bedeutung – nicht nur für klassische Lernangebote, sondern auch als Grundlage für KI-Lernassistenten und andere intelligente Lern- und Wissenslösungen.
Damit verändert sich auch die Rolle von L&D. Statt Inhalte überwiegend selbst zu produzieren, schafft L&D die Rahmenbedingungen, in denen Wissen aus den Fachbereichen entstehen, geprüft, weiterentwickelt und im richtigen Moment verfügbar gemacht werden kann. Unsere qualitative Befragung zeigt dabei: Ob dieser Wandel gelingt, entscheidet sich weniger an der Technologie als an Zeit, Akzeptanz, Unterstützung und einer Lernkultur, die das Teilen von Wissen ausdrücklich fördert.
User-generated Content wird damit zu einem wichtigen Baustein einer lernenden Organisation. Mitarbeitende sind nicht mehr nur Konsumentinnen und Konsumenten von Lernangeboten, sondern gestalten den Wissensbestand ihres Unternehmens aktiv mit.
Erfolgsmodell: User-generated Content

Julia Kammermeier
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