Storytelling-Tipps:
Geschichten, die verkaufen
02. Jan. 2025 | 5 Minuten Lesezeit
Geschichten, die verkaufen
02. Jan. 2025 | 5 Minuten Lesezeit

Friedl Wynants
Gründer & Geschäftsführer
Storytelling funktioniert, weil unser Gehirn evolutionär auf Geschichten programmiert ist. Die Amygdala (unser „Türsteher“ zum Langzeitgedächtnis) bevorzugt emotionale, spannende Inhalte. Mit dem richtigen ersten Satz und einer spannenden Dramaturgie verkaufen sich zum Beispiel Produkte nachweislich besser.
Unser Gehirn liebt Geschichten – und das aus gutem Grund! Wir alle sind von Natur aus Geschichtenerzähler. Das passiert automatisch, unser Gehirn kann gar nicht anders. Um das zu verdeutlichen, sehen Sie sich einmal das nachfolgende Video an.
Was erkennen Sie darin? Wahrscheinlich sehen Sie nicht nur einfache Formen, sondern eine kleine Geschichte. Vielleicht denken Sie an das böse große Dreieck und den ängstlichen Kreis, an „Mobbing“ oder sogar an einen „Tanz“. Selbst in simplen Formen erkennen wir Geschichten und verleihen Gegenständen menschliche Eigenschaften. Das wird auch als „Anthropomorphismus“ bezeichnet. Anthropomorphismus bedeutet, dass wir nicht-menschlichen Dingen wie Tieren, Gegenständen oder Göttern menschliche Eigenschaften, Emotionen oder Verhaltensweisen zuschreiben, beispielsweise wenn wir sagen, dass unser Auto „schlecht gelaunt“ ist, weil es nicht anspringt, oder wenn wir Zeichentrickfiguren darstellen, die sprechen und Kleidung tragen – oder in diesem Fall zwei Formen, die sich im selben Raum bewegen.
Doch warum ist das so? Um zu verstehen, warum Storytelling so effektiv ist, müssen wir einen Blick in unser Gehirn werfen.
In unserem Gehirn sitzt die Amygdala. Diese kleine Struktur entscheidet, ob wir uns etwas merken oder nicht. Sie bewertet emotionale Reize und steht in enger Verbindung zum Hippocampus, der für die Gedächtnisbildung zuständig ist. Man kann sich die Amygdala als Türsteher zum Langzeitgedächtnis vorstellen – und zwar einen sehr strengen. Unsere Amygdala ist von früher verwöhnt: Sie kennt Geschichten vom Erlegen des Säbelzahntigers, von der Jagd im Wald und vom Überleben an sich. Solche spannenden Ge-schichten liebt sie, denn sie könnten fürs eigene Überleben wichtig sein. Deshalb speichert die Amygdala solche Geschichten gern im Langzeitgedächtnis ab.
Geschichten bleiben im Kopf
Ein klarer Vorteil von Geschichten liegt auf der Hand: Wer möchte, dass sich seine Zielgruppe an Botschaften erinnert, sollte Geschichten erzählen. Geschichten wecken Emotionen und hinterlassen einen bleibenden Eindruck, während nackte Fakten oft schnell vergessen werden.
Die Zahlen sprechen für sich:
eBay-Experiment: Von 129$ auf 8.000$ durch Geschichten
Und diese Erkenntnis hat nicht nur theoretischen Wert – sie lässt sich auch praktisch nutzen. Ein beeindruckendes Beispiel: In einem Experiment wurde Krimskrams im Wert von 129$ durch das Hinzufügen erfundener Geschichten für über 8.000$ auf eBay verkauft. Wieso hat das funktioniert? Ganz einfach: Menschen kaufen keine Produkte – sie kaufen Geschichten, Gefühle und die Bedeutung dahinter. Hier zeigt sich deutlich: „Telling“ kann tatsächlich „Selling“ bedeuten.
Im Folgenden stelle ich Ihnen zwei praktische Werkzeuge vor, die nicht nur in Videos und E-Learnings nützlich sind, sondern auch in jeder Form der Kommunikation – sei es ein Newsletter, eine Präsentation oder eines Trainings. Die Prinzipien des Storytellings sind universell einsetzbar.
Werkzeug 1: Der perfekte erste Satz
Wie Sie wissen, müssen wir einen Türsteher überwinden – und das am besten gleich mit dem ersten Eindruck. Der erste Satz ist also der wichtigste und oft auch der schwierigste. Ein guter erster Satz packt uns, macht uns neugierig und wirft mehr Fragen auf, als er Ant-worten liefert. Ein Beispiel für einen gelungenen ersten Satz finden Sie in unserem Erklär-film „Virtual Reality“, der mit einem Star Trek Zitat beginnt: „Der Weltraum – unendliche Weiten.“ Dieser Einstieg hat auf den ersten Blick nichts mit dem eigentlichen Thema des Films zu tun, zieht den Zuschauer aber sofort in seinen Bann und macht neugierig – weit mehr als ein Einstieg wie „Heute erkläre ich Ihnen VR“.
Warum das funktioniert: Der überraschende Einstieg unterbricht das mentale „Autopilot-Denken„ und macht aufmerksam. Das Gehirn will die Lücke zwischen Erwartung und Realität schließen.
Werkzeug 2: Die Dramaturgie mit Spannungsbogen
Der erste Schritt ist getan – der Türsteher hat Sie reingelassen. Jetzt kommt das nächste Werkzeug ins Spiel: die Dramaturgie. Eine fesselnde Geschichte muss spannend sein. Das bedeutet vor allem: Der Protagonist Ihrer Geschichte verfolgt ein Ziel und stößt auf dem Weg dorthin auf Hindernisse.
Wissenschaftlich bewiesen
Dass die Dramaturgie entscheidend für die Spannung einer Geschichte ist, hat auch ein Marketing-Professor in einer Studie bewiesen. Er untersuchte 108 Super-Bowl-Halbzeit-Spots – die Königsdisziplin der Werbung – und fand heraus, dass die Beliebtheit eines Spots stark von der Anzahl der Akte abhing, die in den 30 Sekunden erkennbar waren. Der klassische 5-Akter (Exposition, Handlungssteigerung, Klimax, Handlungsabfall, Auflösung) erwies sich als besonders wirkungsvoll. Der Spot „Lost Dog“ von Budweiser, der alle klassischen Akte einer Geschichte enthält, gewann dabei die höchste Beliebtheit. Sehen Sie? Eine durchdachte Dramaturgie kann den Unterschied ausmachen. Nutzen Sie diese Erkenntnis, um Ihre Geschichten noch spannender und packender zu gestalten!
Warum das funktioniert: Unser Gehirn ist auf Spannungsbögen programmiert. Ohne Konflikt keine Aufmerksamkeit, ohne Auflösung keine Befriedigung.

Vereinfacht gibt es diese Dramaturgie in der Pixar-Version:
Probieren Sie dieses Werkzeug doch einfach mal aus. Es lässt sich im Grunde für fast jeden Inhalt anwenden.
Praxisnahe Tipps, wie Sie Themen einfach erklären und „Storytelling“ für Ihr Unternehmen nutzen.
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ATU hatte das Ziel, mit einer Geschichte Neugierde für das Thema „Klimaoffensive“ zu wecken – ein potenziell trockenes und polarisierendes Thema. Das Ergebnis war beeindruckend: Das Engagement lag bei 80%, das heißt, 80% der Zielgruppe sahen sich den Film bis zum Ende an. So konnte die Botschaft erfolgreich vermittelt werden.

Andreas Schatz
Key Account Manager
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Storytelling ist die Kunst, Botschaften durch Geschichten zu vermitteln. Es funktioniert, weil unser Gehirn evolutionär auf Geschichten programmiert ist. Die Amygdala (unser „Gedächtnis-Türsteher“) bevorzugt emotionale, spannende Inhalte und speichert Geschichten 22x besser ab als reine Fakten.
Storytelling ist eine erlernbare Technik, kein angeborenes Talent. Mit den richtigen Strukturen (wie der Pixar-Formel) kann jeder wirkungsvolle Geschichten erzählen. Wichtiger als Kreativität sind klare Frameworks und regelmäßige Übung.
Ja, sogar besonders gut! Gerade in technischen oder traditionellen Branchen hebt Storytelling Sie von der Konkurrenz ab. Auch B2B-Einkäufer sind Menschen mit Emotionen. Beispiel: Eine Versicherung erzählt nicht von Policen, sondern von der Familie, die nach einem Unfall abgesichert war.
Business-Storytelling hat immer ein klares Ziel: informieren, überzeugen oder zum Handeln bewegen. Jede Geschichte braucht eine konkrete Botschaft und einen Call-to-Action. Es geht nicht nur ums Unterhalten, sondern um messbaren Business-Erfolg.
Drei bewährte Quellen: 1) Kundenerfolge und -herausforderungen, 2) Die Entstehungsgeschichte Ihres Unternehmens/Produkts, 3) Persönliche Erfahrungen des Gründers/Teams. Führen Sie ein „Story-Tagebuch“ und notieren Sie interessante Begegnungen und Wendepunkte.
Das kommt auf den Kontext an: E-Mail-Geschichten maximal 100 Wörter, Präsentations-Stories 2-3 Minuten, Video-Content 60-90 Sekunden. Grundregel: So kurz wie möglich, so lang wie nötig. Lieber eine prägnante Geschichte als eine ausufernde Erzählung mit zu vielen Nebensträngen.
Die 6-Schritte-Formel funktioniert universell, weil sie dem natürlichen Spannungsbogen entspricht. Selbst für Produkterklärungen: „Es war einmal ein Kunde mit Problem X, jeden Tag kämpfte er damit, bis plötzlich unser Produkt...“. Sie müssen nur kreativ werden bei der Anwendung.
Nutzen Sie konkrete Details statt große Gefühle. Statt „Der Kunde war begeistert“ schreiben Sie „Der Kunde rief um 22 Uhr an und sagte: 'Das hätte ich nie gedacht!'“ Echte Emotionen entstehen durch authentische Momente, nicht durch Superlative.
Ersetzen Sie Bullet-Points durch Mini-Geschichten. Statt „Unser Produkt spart Zeit“ erzählen Sie: “Kunde X arbeitete vorher bis 20 Uhr, jetzt ist er um 17 Uhr zu Hause bei seiner Familie.“ Nutzen Sie Bilder, die Geschichten unterstützen, nicht nur Grafiken und Charts.
Besonders gut! Statt Features zu präsentieren, erzählen Sie Erfolgsgeschichten ähnlicher Kunden. „Ein Kunde in Ihrer Situation hatte das gleiche Problem...“ ist viel überzeugender als technische Spezifikationen. Geschichten reduzieren Verkaufsdruck und schaffen Vertrauen.
Haben Sie 3-5 Standard-Geschichten parat, die Sie für verschiedene Situationen adaptieren können. Nutzen Sie Templates wie „Ein Kunde fragte mich neulich...“ oder „Das erinnert mich an...“. Mit der Zeit entwickeln Sie ein Repertoire bewährter Stories.

Friedl Wynants