Engagement statt Pflicht: Wirksame Cannabis­prävention an bayerischen Schulen

Illustrationen von Menschen, Cannabisblättern, Rauch, einer Bong, und Symbolen für Ideen und Forschung.

E-Learning Content | 2023/2024
Bayerisches Zentrum für Prävention und Gesundheitsförderung (ZPG)

Das Zentrum für Prävention und Gesundheitsförderung (ZPG) verfolgt als Sachgebiet des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) das Ziel, die Strukturen und die Wirksamkeit von Gesundheitsförderung und Prävention in Bayern zu stärken. Mit einem ganzheitlichen Ansatz, der Präventionspraxis, Wissenschaft, Politik und bürgerliches Engagement verbindet, entwickelt das ZPG Materialien, Konzepte und Maßnahmen, um über verschiedene gesundheitsrelevante Themen zu informieren sowie Akteurinnen und Akteure vor Ort fortzubilden und zu vernetzen. Schwerpunkt liegt dabei auf allgemeinen Gesundheitsthemen, der Prävention von HIV/AIDS und Suchterkrankungen sowie der Förderung gesundheitlicher Chancengleichheit.

Illustrationen von Personen, die Cannabis konsumieren, einem Rezept, einer Tür, einer Geldübergabe und einer Person in einem Anzug.

Die Ausgangssituation

Handlungsbedarf durch das neue Cannabis-Gesetz

Mit dem Beschluss des Konsumcannabis-Gesetzes in Deutschland zum 1. April 2024, das den Besitz und Anbau von Cannabis für Erwachsene unter bestimmten Bedingungen ermöglicht, stehen Lehrkräfte und pädagogisches Fachpersonal an Schulen sowie kommunale Präventionsfachkräfte vor einer neuen, komplexen Herausforderung. Der Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern dieser Berufsgruppen zeigt, dass eine Vielzahl an Fragen und Unsicherheiten zum Umgang mit Jugendlichen in Bezug auf Cannabis im Arbeitsalltag bestehen. Diesem Aufklärungsbedarf wollte das ZPG möglichst niedrigschwellig und zeitnah nachkommen und den betroffenen Zielgruppen neben Hintergrundinformationen zu Cannabis auch methodische Kompetenzen zum präventiven Umgang im Berufsumfeld an die Hand geben. So sollen diese befähigt werden, Jugendliche wirksam vor den Risiken des Cannabiskonsums zu schützen und auf die veränderte gesellschaftliche Wahrnehmung von Cannabis adäquat reagieren zu können.

Die Lösung

Der Online-Kurs „Cannabis und Schule: wissen, verstehen, handeln“

Die Lösung sollte ein umfangreicher, asynchron und flexibel durchführbarer Online-Kurs mit entsprechenden Begleitmaterialien sein. Nach einem Ausschreibungsverfahren fiel die Wahl für die Konzeption und Erstellung dabei auf youknow.

In Zusammenarbeit wurde der Kurs „Cannabis und Schule: wissen, verstehen, handeln“ entwickelt, der eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Cannabis im beruflichen Kontext bietet. Den Teilnehmenden stehen insgesamt 14 interaktive Module mit einer Lernzeit von jeweils 5 bis 30 Minuten zur Verfügung, die je nach Vorkenntnissen und Bedarfen individuell ausgewählt werden können.

Die Module wurden von youknow so konzipiert, dass sie sowohl alleine als auch in Gruppen bearbeitet werden können, was den Austausch unter den Fachkräften ermöglicht. Durch die narrative Struktur des Kurses, in der Charaktere einer fiktiven Schule durch die Inhalte führen, wird das Lernen anschaulich und praxisnah gestaltet. Die Teilnehmenden können so lebensweltnahe Szenarien durchspielen, die ein vertieftes Verständnis für die Prävention und den Umgang mit Cannabiskonsum vermitteln, und erhalten wertvolle Tipps für den Berufsalltag.

Laptop mit Screenshot aus dem Training, es geht um die Entwicklung des THC-Gehaltes

Begleitend zum Online-Kurs wurde eine umfangreiche Sammlung an Zusatzmaterialien erstellt. Diese visualisieren das Gelernte, ermöglichen tiefere Einblicke durch weiterführende Informationen und erleichtern dem pädagogischen Fachpersonal den Transfer in den Arbeitsalltag.

Der Kurs wird kostenlos auf der Lernplattform der Bayerischen Akademie für Sucht- und Gesundheitsfragen (BAS) bereitgestellt. Nach Abschluss des Online-Kurses bestätigt ein Zertifikat die erfolgreiche Teilnahme.

Die Flexibilität des Kurses, die es den Lernenden ermöglicht, ihren Fortschritt zu speichern und jederzeit fortzusetzen, trägt zu einer nachhaltigen Integration des Gelernten in den beruflichen Alltag bei. Der Kurs wurde so konzipiert, dass er auf die spezifischen Bedürfnisse des Fachpersonals zugeschnitten ist und die aktuellen Herausforderungen berücksichtigt.

Illustrationen von Cannabisprodukten, essbaren Produkten, einem rauchenden Menschen, einem Flyer zum Thema

Das Ergebnis

Erfolgreiche Pilotphase und positive Rückmeldungen

Das bisherige Feedback zeigt, dass der Kurs bereits in der bayernweiten Pilotphase großen Anklang bei der Zielgruppe gefunden hat. Mit Stand Ende April 2024 haben bereits über 570 Teilnehmende den Kurs erfolgreich beendet und ihr Zertifikat erhalten. Ungefähr die Hälfte der Absolventinnen und Absolventen war Lehrkraft an einer weiterführenden Schule.

Ein besonderes Highlight ist das hohe Engagement der Teilnehmenden: Die Dropout-Rate zwischen dem ersten Kursmodul und dem Kursabschluss lag bei lediglich 18%. Diese Zahl belegt, wie attraktiv und motivierend der Kurs ist.

Auch der Wissenszuwachs und Kompetenzerwerb der Teilnehmenden durch den Kurs überzeugen: Im Vergleich zu vorher (22 %) gaben nach dem Kurs deutlich mehr Personen (67 %) an, ihr Wissen über Cannabis als hoch oder sehr hoch einzuschätzen. Dabei war die Mehrheit sowohl mit ihrem eigenen Wissenszuwachs (95 %) als auch ihrem Erwerb von neuen praktischen Kompetenzen (90 %) (eher) zufrieden.

Eine überwältigende Mehrheit (95 %) würde den Kurs (eher) weiterempfehlen, was die Passgenauigkeit und den Erfolg des Kurses unterstreicht. 86 % der Teilnehmenden bewertete den Kurs dabei insgesamt als sehr gut oder gut. Besonders die abwechslungsreiche und interaktive Aufbereitung, die einfache Verständlichkeit und die praxisnahen Fallbeispiele wurden gelobt.

Laptop und Tablet mit Screenshots aus dem Training
Laptop mit Screenshot aus dem Training, es geht um Präventionsmaßnahmen Schritt für Schritt.
Laptop mit Screenshot aus dem Training, es geht um die Entwicklung des THC-Gehaltes
Laptop mit Screenshot aus dem Training, es geht um Entwicklungsaufgaben und Funktion des Substanzkonsums.
Laptop und Tablet mit Screenshots aus dem Training, es geht um Cannabiskonsum bei Kindern und Jugendlichen.
Ein Infoheft über Cannabis an Schulen.
Broschuren über Cannabiskonsum
Ein Infoposter an einer Wand. Es geht um Cannabis an Schulen.
Ein Laptop auf einem minimalistischen Schreibtisch, umgeben von Büchern, einer Vase und einer kleinen Pflanze. Der Bildschirm zeigt einen Screenshot aus dem Training. An der Wand hängen Infografiken über den Konsum von Cannabis.

Fazit

Ein wertvolles Instrument zur Cannabisprävention in bayerischen Schulen

Der Online-Kurs „Cannabis und Schule: wissen, verstehen, handeln“ des ZPG hat sich als wertvolle Weiterbildungsmöglichkeit für Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte erwiesen, Sicherheit im Umgang mit Cannabiskonsum unter Jugendlichen im beruflichen Alltag zu erlangen. Die hohe Teilnahmequote und die positiven Rückmeldungen der Kursabsolvent/-innen zeigen, dass das Angebot einen echten Bedarf deckt. Der Kurs trägt dazu bei, Jugendliche effektiv vor den Risiken des Cannabiskonsums zu schützen und einen präventionsorientierten Ansatz im Schulalltag zu verankern.

Der Kurs wurde 2024 mit dem Comenius EduMedia Award ausgezeichnet.

Foto von Hannah Strauch, Projektverantwortliche Suchtprävention ZPG

Hannah Strauch
Projektverantwortliche Suchtprävention
ZPG

„Der Online-Kurs 'Cannabis und Schule: wissen, verstehen, handeln' konnte sich in kurzer Zeit als hilfreiche und geschätzte Weiterbildungsmöglichkeit in der suchtpräventiven Arbeit etablieren. Die überwältigende Resonanz zeigt, dass wir mit dem Thema des Kurses dem immensen Bedarf an Aufklärung im Bereich der Cannabisprävention nachkommen. Der Ansatz, Wissen interaktiv und praxisnah zu vermitteln, kommt dabei besonders gut an. Es ist inspirierend zu sehen, wie engagiert Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte das Angebot wahrnehmen, um in ihrem Berufsalltag einen positiven Einfluss auf das Leben der Jugendlichen nehmen zu können. Wir sind stolz darauf, dass wir in Zusammenarbeit mit youknow einen so bedarfsgerechten und von der Praxis wertgeschätzten Kurs entwickelt haben und somit einen Beitrag zur Stärkung der suchtpräventiven Arbeit in bayerischen Schulen leisten können.“

Ein Laptop auf einem minimalistischen Schreibtisch, umgeben von Büchern, einer Vase und einer kleinen Pflanze. Der Bildschirm zeigt einen Screenshot aus dem Training.

Ausblick

Wie geht es weiter?

Nach der erfolgreichen Pilotierung des Online-Kurses „Cannabis und Schule: wissen, verstehen, handeln“ wird eine überarbeitete Version ab Herbst 2024 bundesweit zur Bearbeitung zur Verfügung stehen. Aufgrund der positiven Evaluationsergebnisse sowie der aus der Praxis gemeldeten Bedarfe, werden die Kursinhalte in einem nächsten Schritt außerdem weiterentwickelt. Ziel ist es, auch weiteren Zielgruppen wie z. B. Eltern oder Fachkräften der Jugendarbeit eine gewinnbringende Teilnahme am Kurs zu ermöglichen und diese im Umgang mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen hinsichtlich Cannabis zu schulen.

Die Entwicklung des Kurses fand im Rahmen einer Förderung durch das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, vormals BZgA) und das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention (StMGP) statt.

Kreisbild von Max Winnen

Maximilian Winnen
Business Development Manager

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